Abschiedsfest in 4 Szenarien

Sie bevölkern unsere Konferenzzimmer, sie streunen durch die Schulhausgänge, sie bekritzeln die Tafeln, sie parken die Schulparkplätze voll – wir kennen sie alle: LEHRER!

Ein amüsierter Blick auf 4 unterschiedliche – natürlich fiktive – Szenarien, die sich an der “Inklusiven Wal-Hai-Delphin-Eule-NMS” – in Anlehnung an die 4 Menschentypen nach Tobias Beck – abspielen könnten, wenn es darum geht zum Schulschluss ein Abschiedsfest für die Schüler*innen der 8. Schulstufe zu planen.

 

WAL

HAI

EULE

DELPHIN

„Was kann ich für die Menschheit tun?“, äußerst hilfsbereit, sucht Gemeinschaft

„Was kann die Menschheit für mich tun?“, starke Persönlichkeit, sucht Macht und Reichtum

„Moment, wieso bin ich ein Flugtier und die anderen sind Schwimmtiere?“, hinterfragend, analytisch, ordnungsliebend

„Wo ist die nächste Party?“, kommunikativ, begeisterungsfähig, sieht das Leben als Spielplatz

 

SZENARIO 1:

Direktor HAI 1 teilt bei einer, einen Tag vorher anberaumten Konferenz, Fernbleiben derer nur mit ärztlicher Bestätigung akzeptiert wird, mit, dass am letzten Donnerstag vor den Sommerferien ein “Farewell Clubbing” für die Abgänger der 8. Schulstufe stattfinden wird. Damit “dies auch Hand und Fuß habe”, hänge er die von ihm erstellte Liste mit der Arbeitseinteilung für alle KollegInnen auf (“Lesen werdets wohl selber können!”). Direktor HAI 1 weist noch darauf hin, dass bei der Ablaufplanung des Festes ab 16.30 Uhr eine 30-minütige Freizone eingeplant ist, da sich ja sicherlich Eltern, Gemeinde und Kolleg*innen bei ihm für die tolle geleistete Arbeit bedanken wollen (“Blumen könnts eich sparn, wenn dann kaufts ma an SPA-Gutschein!”).

  • Kollegin WAL begutachtet sofort die aufgehängte Liste und schlägt vor, doch gerne neben dem Sushistand auch noch die Toilettenreinigung und die Mülltrennung zu übernehmen.
  • Kollege DELPHIN fragt nach, ob statt der Smoothiesbar eine Cocktailbar installiert werden könnte.
  • Kollegin EULE zeichnet schon während des Vortrags des Direktors einen Plan der Partylocation und gibt zu bedenken, dass die Fluchtwege keineswegs durch Festdekoration verstellt werden dürften.
  • Kollege HAI 2 zieht, als er sieht, dass er für den Gesichterschminkworkshop eingeteilt wurde, seinen Antrag auf Versetzung aus seiner Louis Vuitton-Aktentasche und übergibt ihn mit dem Zusatz “Auf dem Dienstweg eingereicht und ciao!” an Direktor HAI 1, der dies mit “I bin doch nicht dein Postler!” quittiert.

SZENARIO 2:

Direktorin WAL 1 hängt eine Umfrage mit 12 möglichen Terminen für eine Konferenz zum Thema „Aller Abschied ist schwer – die 8. sagen adieu“ auf. Nach zweiwöchiger Entscheidungsphase kommen 3 Termine in die engere Auswahl, aus denen sich in demokratischer Abstimmung einer herauskristallisiert, an dem allerdings 4 der 16 Kolleg*innen „wahrscheinlich eher nicht“ Zeit haben werden. Während der Konferenz präsentiert Direktorin WAL 1 ihren Entwurf des Abschiedsfestes, nicht ohne minütlich zu betonen, dass dies nur ein Vorschlag wäre und man natürlich auch ganz etwas anderes machen könne.  Außerdem würde sich für die Kolleg*innen der Arbeitsaufwand in Grenzen halten, da sich die Direktorin vorsichtshalber schon selbst für 70% der Arbeitsbereiche eingeteilt habe.

  • Kollegin WAL 2 meint, dass müsse nun wirklich nicht sein, und sie würde gerne neben dem Stepptanz auch noch das Dosenschießen und die Erste Hilfe-technischen und feuerpolizeilichen Agenden übernehmen.
  • Kollege DELPHIN zieht die Stöpsel seiner Kopfhörer aus den Ohren und fragt, ob die Konferenz schon begonnen habe.
  • Kollegin EULE hat schon während der Konferenz berechnet, dass man für den Luftballonfigurenworkshop bei geschätzten 50 TeilnehmerInnen ca. 220 Luftballone benötigen würde (10 % Verlust einberechnet).
  • Kollege HAI ist wegen eines unverschiebbaren Termins, „Reifenwechsel an seinem Schätzchen (Porsche 911)“, nicht anwesend.

SZENARIO 3:

Direktorin EULE 1 präsentiert während der jeden dritten Mittwoch eines ungeraden Monats von 14 – 16.10 Uhr exakt stattfindenden Konferenz ihre Idee eines Abschiedsfestes für die 8. Schulstufe. Ihrer von Powerpointfolien, Plakaten, Handouts und Protokollen der letzten 17 Schulfesten unterstützen Präsentation gibt sie den Titel „Von 7. September 2014 – 6. Juli 2018. 56 Schüler*innen (24 männlich, 32 weiblich) verlassen uns.“ Das Kollegium wurde von Direktorin EULE 1 schon im Vorfeld nach Können und Interessen in 4 unterschiedliche Handlungsbereiche eingeteilt, denn – Zitat EULE 1 – „Vorausplanung ist das halbe Leben!“

  • Kollegin WAL fragt nach, ob sie neben den Aufgaben in ihrem Handlungsbereich eventuell auch noch die eine oder andere Aufgabe in einem anderen Handlungsbereich übernehmen dürfe. Direktorin EULE 1 fragt, was Kollegin WAL am Wort „Vorausplanung“ nicht verstanden hätte.
  • Kollege DELPHIN kann nicht verstehen, wieso er dem Handlungsbereich „Einlass und Garderobe“ und nicht „Food and Beverage“ zugeteilt wurde. Direktorin EULE 1 fragt, ob sich Kollege DELPHIN noch an das letzte Schulfest erinnern könne. Kollege DELPHIN antwortet lachend mit „Nein – pa Oida, da hab i meine Festplatte echt glöscht!
  • Kollegin EULE 2 stellt fest, dass das Protokoll vom Schulfest 1998 nicht von allen Kolleg*innen unterzeichnet wurde und befürchtet, dass es hier eventuell im Nachhinein zu juristischen Schwierigkeiten kommen könnte.
  • Kollege HAI stellt fest, dass er in der letzten Schulwoche schon Sonderurlaub habe, weil er ja nicht so dumm wäre und eine Woche später das Doppelte für seinen Flug auf die Malediven bezahlen würde und schließt sein Statement mit „Vorausplanung ist das halbe Leben!

SZENARIO 4:

Direktor DELPHIN 1 stellt im Sozialraum bei einem kleinen Umtrunk sein Projekt „Prost – So jung kemma nimma mehr zam!“ vor – ein Abschlussfest für die 8. Schulstufe. Direktor DELPHIN 1 plant mit einer Bar über die Länge des Fußballfeldes den Weltrekord für die längste Barmeile während einer Schulveranstaltung zu knacken und meint, dass dies eine tolle Auszeichnung und eine ausgezeichnete Werbung für die Schule sein könne.

  • Kollegin WAL fragt nach, ob sie nicht eventuell ihren eigenen Küchenkühlschrank für das Fest ausbauen sollte, um mehr Kühlmöglichkeiten zu schaffen.
  • Kollege DELPHIN 2 schlägt vor, auch die Breitseite des Fußballplatzes zu „verBARen“, damit der Weltrekord auch länger Beständigkeit haben könnte.
  • Kollegin EULE sieht es als schwierig, die von ihr schon während des Gesprächs berechneten 220m2 Barabdeckung auch so stabil zu montieren, dass Gläser sicher abgestellt werden können und schlägt vor, schon zeitnah diesbezüglich eine Tischlerei zu kontaktieren.
  • Kollege HAI stellt fest, dass diese „Pseudo-Ballermann-Idee“ nicht sein Niveau wäre, er aber netterweise ein paar Banner seiner Firma „HAI – Swimwear für Mutige“ aufhängen könnte, um dem Ganzen etwas Klasse zu verleihen.

Eine Vision – 4 Szenarien.

Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen sowie jede genderspezifische Festlegung ist rein zufällig und von der Autorin nicht beabsichtigt.

Die Autorin ist Lehrerin an einer NMS in Tirol.

 

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